Imkerverein Herdecke-Ende

Bienengesundheit   - Ein Beitrag von Günter Siewert -

 

 

Dies ist ein Thema jeder Vereinsversammlung.  Das muss auch so sein, denn die

Gesundheit unserer Bienen fordert zu jeder Jahreszeit unsere volle Aufmerksamkeit.

 

Krankheiten wie Nosematose, Amöbenerkrankung, Tracheenmilbenerkrankung und die

gutartige Faulbrut sind in den letzten Jahrzehnten weitgehend zurückgedrängt worden

und machen uns z. Z. wenig Sorgen. Auch die Kalkbrut, Sackbrut und die schon immer

recht seltene Steinbrut ist z. Z. für uns nicht besorgniserregend. Der Grund liegt

auch darin, dass wir heute Vorbeugungsmaßnahmen treffen, die für die o. g. Krankheiten

bereits wirksame Bekämpfungsverfahren sind.

 

Unsere heutigen Sorgen sind die Varroa - Milben und die

Amerikanische Faulbrut.

 

Folgende Vorbeugungsmaßnahmen gegen diese Krankheiten sollten  in keiner Imkerei

fehlen:

- Eine strenge Wabenhygiene, keine bebrütete Wabe sollte älter als 2 Jahre werden.

  Ausgeschmolzene Waben - Rähmchen in 5% Ätznatron Lauge auskochen.

- Eine strenge Stockhygiene, alle in einer Saison benutzten Zargen und Böden müssen

  ausgekratzt, wenn möglich ausgeflämmt oder ausgewaschen ( 5% Ätznatron )

  werden.

- Keine Waben offen liegen lassen, sondern nur bienendicht eingepackt aufbewahren.

- Räuberei unbedingt  vermeiden.

- Wo notwendig den Putztrieb und die Bruttätigkeit durch Umweiseln fördern.

  Die Weiseln spätestens alle 2 Jahre austauschen.

- Verstärkte Anwendung des Kunstschwarmverfahrens.

 

Die Varroa - Milben.

 

Gegen die Varroa - Milben reichen die o. g. Vorbeugungsmaßnahmen nicht aus. Es müssen

zusätzlich massive Bekämpfungsverfahren angewendet werden, die in der Broschüre

" VARROA UNTER KONTROLLE " zusammengefasst sind. Diese Broschüre wurde von

der" Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung E. V ". herausgegeben.

 

Als Bezugsquelle für die Broschüre sei hier nur eines dieser Institute genannt:

Landwirtschaftskammer Nordrhein - Westfalen, Aufgabengebiet Bienenkunde.

Nevinghoff 40, 48147 Münster.

Tel. 0251 - 2376 - 663,  Fax  0251 - 2376 - 551

E - Mail: * Web: www.apis-ev.de

 

Jeder Imker muss anhand seiner Verhältnisse selbst festlegen welche

Bekämpfungsverfahren er gegen die Varroa - Milben auswählt. Ein ganzjähriges Konzept

könnte z. B. wie folgt aussehen:

 

- April - Juli

  Regelmäßiges Ausschneiden der Drohnenbrut nach dem Verdeckeln. Durch die Länge

  der  Brutzeit ( 24 Tage ) schlüpfen aus der Drohnenbrut 3 x soviel neue Milben als aus

  Arbeiterinnenbrut. ( Chem. Mittel sind für Wirtschaftsvölker in der Trachtzeit verboten. )

 

- Juli - September

  Behandlung der Bienen sofort nach der letzten Schleuderung mit Ameisensäure, weil

  diese auch in die Brut wirkt. Kontrolle des Milbenabfalls mittels Bodeneinlagen und

  Auszählung der abgefallenen Milben.

 

- November - Dezember ( evt. auch Januar )

  Behandlung der Bienen mit Oxalsäure. Möglichst nach einer Frostperiode um sicher zu

  sein, dass keine Brut mehr vorhanden ist. Kontrolle des Milbenabfalls wie vor.

 

Ohne ein solches ganzjähriges Konzept haben die Bienen kaum Chancen zu überleben.

 

Die Varroa - Milben schädigen die Bienen auf verschiedene Weise, vor allen Dingen,

wenn die Anzahl der Varroa -  Milben zu groß wird:

- Einerseits vermehren sich die Milben in den Brutzellen der Bienen und ernähren sich

  von der Made. Die Bienen die dann schlüpfen sind geschädigt, haben evt. einen

  verkürzten Hinterleib oder andere Verkrüppelungen.

- Andererseits fügen die Milben den Bienen Verletzungen zu, durch die andere Viren

  ( z. B. Akute Paralyse Virus ) direkt in die Blutbahn der Bienen gelangen können. Diese

  Viren sind weit verbreitet, können allein jedoch nicht krankmachend wirken.  Wenn

  sie jedoch direkt in die Blutbahn der Bienen gelangen, setzt ein Vermehrungsprozess

  ein, der in wenigen Tagen zum Tod der Biene führt.

 

Bei der Bekämpfung der Varroa - Milben geht es nicht darum die letzte Milbe zu

erwischen, sondern die Anzahl der vorhandenen Milben ganzjährig auf einem Niveau

zu halten, das für die Bienen erträglich ist.

 

Die Amerikanische Faulbrut.

 

Gegen die Amerikanische Faulbrut gibt es keine Bekämpfungsverfahren mit Hilfe von

Medikamenten.

Die Amerikanische Faulbrut ist ausführlich in der Bienenseuchen - Verordnung

behandelt und danach ist das Veterinäramt dafür zuständig Bekämpfungsmaßnahmen

festzulegen, wenn die Amerikanische Faulbrut amtlich festgestellt wurde.

 

In der Regel werden die Bekämpfungsmaßnahmen so aussehen, dass mit Faulbrut

befallene Völker abgetötet werden und bei verdächtigen Völkern ein

Kunstschwarmverfahren durchgeführt wird. Begleitet wird das durch umfangreiche

Desinfizierungs - und Säuberungs - Aktionen, sowie Untersuchung umliegender

Bienenstände und Errichtung eines Sperrbezirks.

 

Bei der Amerikanischen Faulbrut werden Faulbrutsporen von den Pflegebienen mit der

Nahrung an die Maden verfüttert. Unter besonderen Umständen leben die Maden noch

bis nach der Verdeckelung der Brutzelle, sterben dann ab und es setzt eine schnelle

Vermehrung der Sporen ein. Die Made verwandelt sich schnell in eine hell - bis

dunkelbraune, fadenziehende Masse. Diese trocknet ein und bildet einen Schorf in der

Brutzelle mit ca. 2,5 Billionen neuen Sporen. Der Putztrieb veranlasst die Bienen, die

abgestorbenen Maden oder Schorfe zu entfernen, dabei verbreiten sie die Krankheit

im Volk und außerhalb des Volkes.

 

Der Imker kann außer den eingangs aufgezeigten Vorbeugungsmaßnahmen noch

weitere Kontrollmaßnahmen zu seiner eigenen Sicherheit treffen:

- Teilnahme an den Aktionen des Landesverbandes, bei denen kostenlose

  Futterkranzsammelproben auf Faulbrutsporen untersucht werden.

- Auf eigene Kosten eine Futterkranzsammelprobe untersuchen lassen, mit dem

  Ziel, vom Veterinäramt ein Gesundheitszeugnis für die Wanderung zu erhalten.

- Das Veterinäramt zur kostenpflichtigen klinischen Untersuchung der Bienenvölker

  auffordern, um ein Gesundheitszeugnis für die Wanderung zu erhalten. Das hat

  den Vorteil, dass es in der Regel schneller geht als eine Futterkranzsammelprobe

  zu untersuchen. Außerdem wird man selbst noch geschult auf welche Symptome

  und Indizien man achten muss um einen Faulbrutherd zu entdecken.

 

- Bei jeder eigenen Durchsicht der Bienenvölker  auf Symptome achten, die auf einen

  Faulbrutherd hindeuten und diesen Symptomen auch einmal nachgehen. Dazu ist

  es natürlich erforderlich, dass man sich vorher mindestens mit der Literatur dazu

  auseinandergesetzt hat.

 

Bei der Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut geht es darum, einen Faulbrutherd

so früh wie möglich zu entdecken um die Ausbreitung zu verhindern.

 

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