Dokumentation eines Baumstammvölkchens im Laufe eines Bienenjahres

Bericht von Anton Rosenkranz    

 

In einem ausgehöhlten Baumstamm von 85 cm Länge und einem Durchmesser von 25 cm wurden Mitte Juni 2006 eine Handvoll Bienen mit einer begatteten Königin einquartiert.

Es galt zu beweisen, dass die Bienen ohne Rähmchen, ohne Mittelwand und ohne vorgegebenen Wabenabstand noch einen ordentlichen Wabenbau errichten können.

Nach drei Monaten hatten sie, wie dieses Bild zeigt, den Beweis erbracht, dass sie diese Fähigkeit noch nicht verlernt haben.           

 

 

 

Auf diesen sauberen, prall

gefüllten Waben konnte das Völkchen  den Winter sicher überstehen.       

 

Fünf Waben sind bis Herbst 2006 auf eine Länge von 30 cm ausgebaut. Dieses Ergebnis war

natürlich nur mit einer ständigen Fütterung zu erreichen. Die obligatorische Varroabekämpfung wurde mit der üblichen Ameisensäure-Schwammtuchmethode von oben durchgeführt.    

 

 

Blick von unten

 

Dezember 2006

In der Wintertraube haben es sich die Bienen recht kuschelig gemacht.   

 

Anfang April 2007

 

Die kritische Phase der Durchlenzung ist überstanden!

Es werden bereits wieder fleißig Nektar und Pollen eingetragen, die Baubienen sind in voller Aktion!       

 

An der Bienentränke herrscht reges Treiben.

Anfang Mai 2007

 

Jetzt kann es für unser Völkchen kritisch werden. Die relativ kleine Baumstammhöhlung ist restlos ausgebaut, und mit sehr vielen Bienen besetzt. Wahrscheinlich ist auch bereits eine Menge Nektar eingetragen. Ein Eingriff ist nicht möglich und zurzeit auch noch nicht gewollt.

Mitte Mai ist das Volk so stark, dass es sich vermehren will.

Sie schwärmen! Die Königin mit der Hälfte der Bienen ziehen aus und suchen sich eine neue Bleibe. Die verbleibenden Bienen warten auf die neue Königin.          

 

Ein aufgesetztes Einmachglas wurde im Handumdrehen

mit zwei Dickwaben ausgebaut und diese mit Honig gefüllt.

 

Die Waage zeigte ein Nettogewicht von 375 g an.    

23. Juli 2007

 

So könnte es in der wilden Natur aussehen:

Ein Bär reißt die Waben heraus und verspeist den leckeren Honig, den Blütenpollen

und natürlich die eiweißhaltige Bienenbrut.

Diese Aufgabe musste hier

der Imker übernehmen, denn auch er möchte den Honig haben und der Wabenbau muss auch nach einem Jahr dringend erneuert werden.        

 

Dann werden die Waben von oben herab ausgebrochen.

Köstliche Stücke Wabenhonig kommen

dabei zutage und werden nach dem Abtropfen

in Klarsichtfolie eingeschlagen.

Die schon bebrüteten

Honigwaben werden anderen Völkern zum Ausschlecken aufgelegt.

Die Gesamtausbeute an Honig belief sich auf 5½ kg.

Als Wintervorrat würde es wohl nicht gereicht haben  

 

Diese sehr schönen, gesunden Brutflächen mussten leider auch entfernt werden.

Sie konnten einem Ableger zum Ausschlüpfen zugestellt und gerettet werden.         

 

Diese schöne Pollenwabe schmeichelt dem Auge des Imkers.

 

Damit hat das erste Jahr im Leben unseres Baumstammvölkchens seinen Abschluss gefunden. Für den Imker war es, da er keine Kontroll- und Eingriffsmöglichkeit hatte, eine spannende Zeit. Er hat oft, vielleicht wie unsere Vorfahren, ehrfürchtig vor dem Wunder Bienenvolk gestanden. Er hat oft das Ohr an die Rinde der Behausung gelegt, um dem Gespräch der Bienen zu lauschen. Wenn er auch wenig von der Sprache verstanden hat, kam es ihm doch so vor, als höre er in eine ihm unbekannte, höhere, wunderbare Klangwelt hinein, in ein Wunder der Natur.          

 

1.August 2007

 

Start ins neue Bienenjahr.

 

Für die Bienen war die Ausplünderung zwar eine Stresssituation (für den Imker auch und nicht zur Nachahmung empfohlen), sie war jedoch aus Gründen der Bienenhygiene notwendig, denn der Wabenbau musste erneuert werden.

Bereits 8 Tage danach sind schon ca. 20 cm lange Waben gebaut. Ein Zeichen dafür, dass es den Bienen gut geht, und dass auch die Königin den Eingriff gut überstanden hat.      

 

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